Kann jeder singen ("lernen")?

Kann man singen überhaupt "lernen"?

Diese und ähnliche Fragen spielen im Zeitalter der Castingshows, wo sich alles um ja oder nein, singen oder nicht singen (können), weiterkommen oder nicht weiterkommen dreht, eine große Rolle. Wenns ums Singen geht, ist die Bewertung nicht weit - sofort wird beurteilt, ob jemand "wirklich singen kann" oder doch "gar nicht singen kann". Jeder hat dazu sofort eine Meinung, Spielraum für Graubereiche bleibt kaum.

Allgemein scheint die Meinung zu herrschen, das Singen sei ausschließlich denen vorbehalten, die "es wirklich können" - also den Profis. Die anderen werden zu Zuhörern gemacht, sie sollen mit Ehrfurcht lauschen, sich selbst aber in gesanglicher Zurückhaltung üben - außer vielleicht allein unter Dusche oder in der Karaoke-Bar.

 

Meiner Meinung nach ist das aber sehr schade, denn die Fähigkeit Töne zu produzieren und somit zu singen ist uns Menschen angeboren und somit von Natur aus in die Wiege gelegt - und das nicht ohne Grund. Singen und Tönen sind wunderbare Mittel zur Selbstregulation und um Gefühle und Stimmungen auszudrücken - wir können unseren Körper dadurch in Schwingung versetzen, was zalreiche positive Wirkungen auf Immunsystem, Kreislauf, Atem und Durchblutung hat (siehe Singen als Medizin). Die Seele bekommt außerdem ein Ventil für aufgestaute Gefühle und zusätzlich wirkt Singen und Tönen auf unser Gehirn durch die Erhöhung von Serotonin und Noradrenalin wie ein Antidepressivum.

 

Singen ist für alle da

Warum das Singen also den Profis überlassen? Singen ist für alle da!

Egal ob Nur-Dusch-SängerInnen, Karaoke-Fans, die Ich-singe-einmal-im-Jahr-zu-Weihnachten-Fraktion, vermeintlich Unmusikalische und "Falsch"-SängerInnen - JEDER KANN SINGEN! Per Definition ist Singen nichts weiter als der musikalische Gebrauch der menschlichen Stimme und diese Gabe besitzt jeder, der auch über Stimmlippen, Zwerchfell, Lunge und Vokaltrakt verfügt. AUF WELCHE ART wir diese Organe einsetzen und wir sehr wir uns dabei an Vorgaben und Normen wie Tonleiter, Harmonielehre und Melodien orientieren, ist wiederum eine Sache der ÜBUNG, des Lernens und der Förderung. Eine entscheidende Rolle spielt dabei, ob und wie sehr wir als Kind mit Musik in Kontakt gekommen und musikalisch/gesanglich gefördert wurden. Haben unsere Eltern uns schon früh mit einem Schlaflied bedacht? Waren wir in einer Kindergruppe (Kindergarten/Kita/Hort/Schule), in der viel gesungen wurde? Wurde in der Familie gesungen und musiziert? War lautes Singen überhaupt erlaubt?

 

Es kann sein, dass Musik in unserer Kindheit eine untergeordnete Rolle gespielt hat oder auch kein Interesse in dieser Richtung vorhanden war - in diesem Fall werden wir uns später vermutlich schwerer tun, vorgegebene Töne zu treffen, was man auch als INTONATION bezeichnet. Im Grunde genommen ist das aber nicht anders als mit Sprachen - als Kind lernt es sich zwar leichter, aber auch im Erwachsenenalter ist noch alles möglich. Insofern kann jede(r) singen und "die richtigen Töne treffen" lernen. Jede(r) kann die Freude am Singen erleben. Es ist nie zu spät, damit anzufangen!

 

Und wie ist das jetzt mit dem Talent?

Nun ja - Neigungen und Begabungen sind bekanntlich angeboren und individuell verschieden. Sie erleichtern das Lernen einer Sache enorm, lassen es spielend einfach erscheinen. Auch unsere Stimmfarbe können wir uns nicht aussuchen, nicht jede(r) ist mit einer "wunderschönen" Stimme gesegnet - aber so gut wie niemand mit einer hässlichen. Der Klang der Stimme hängt außerdem zu einem großen Teil von der verwendeten Stimmtechnik ab - wie wir den Körper beim Singen einsetzen, welche STIMMung wir transportieren, wie die Mundhöhle geformt und die Zunge moduliert wird. Und das wiederum kann man lernen!!

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